Vernetzte Kompetenz Aktivitäten der deutschen Netzwerkforschungs-SzeneMag. Jürgen Pfeffer, WienDie Analyse sozialer Netzwerke wird an einigen deutschen Universitäten in Forschung und Lehre seit Jahren gepflegt; sie ist von dort nicht mehr wegzudenken. Auch international, vor allem im „International Network for Social Network Analysis (INSNA)“ sind deutschsprachige Netzwerkforscher durchaus präsent. Und seit kurzem gibt es auch in Deutschland regelmäßig organisierte Gelegenheiten, sich im Kontext der Netzwerkanalyse wissenschaftlich zu begegnen.
In der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) hat sich eine „Arbeitsgruppe Netzwerkforschung“ gebildet, die über die Aktivitäten dieses Forschungsbereichs informiert und zur Koordination interuniversitärer wie interdisziplinärer Kooperation beiträgt. Den Anstoß zum Entstehen dieser Arbeitsgruppe gab eine von Christian Stegbauer und Roger Häußling im September 2007 an der Universität Frankfurt organisierte Tagung "Ein neues Paradigma in den Sozialwissenschaften - Netzwerkanalyse und Netzwerktheorie". Das große Interesse an der Veranstaltung (50 Vorträge, ca. 150 TeilnehmerInnen) veranlasste die Initiatoren, die Akkreditierung dieser Aktivitäten durch die DGS anzustreben. Längst haben die Frankfurter Tagungsbeiträge durch eine Veröffentlichung (Hrsg. Christian Stegbauer) weite Verbreitung gefunden, und über die Mailingliste (
This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it
) hat sich rasch ein reges Kommunikationsnetz entwickelt. Bei der heurigen Frühjahrstagung vom 1. bis 2. Mai 2009 in München fand der zweijährige Gründungsprozess mit der Wahl eines Sprecherrates seinen Abschluss. Diesem gehören an: Roger Häußling, Aachen, Marina Henning, Berlin, Betina Hollstein, Hamburg, Lothar Krempel, Köln und Christian Stegbauer, Frankfurt. Zum Sprecher der Arbeitsgemeinschaft wurde Christian Stegbauer gewählt. Näheres zur AG Netzwerkforschung und zur Sozialen Netzwerkanalyse findet man auf der Webseite: http://www.soziologie.de/index.php?id=424
Inhaltlich ging es in München (Organisation: Roger Häußling, Betina Hollstein, Katja Mayer, Jürgen Pfeffer und Florian Straus) um die „Visualisierung sozialer Netzwerke“. Die Tagung ging den Möglichkeiten und Grenzen von visuellen Darstellungen nach, die bei der Untersuchung sozialer Netzwerke verwendet werden. Durch die Kooperation der AG Netzwerkforschung mit dem Münchener Sonderforschungsbereich erlebten die ca. 50 Teilnehmer eine hochkarätige Tagung in einem perfekten Umfeld. Neben 17 Fachvorträgen gab es vier spezielle Keynote-Vorträge: Jeff Johnson (Sozialwissenschafter, East Carolina University), Dieter Mersch (Medienwissenschafter, Philosoph und Mathematiker, Potsdam), Ulrik Brandes (Informatiker, Konstanz) und Lothar Krempel (Soziologe, Köln) reflektierten aus jeweils anderer Perspektive darüber, wie und wozu Netzwerke augenfällig werden. Der State of the Art, den die Tagung transparent gemacht hat, ist unter http://sites.google.com/site/netzwerkvisualisierung/ festgeschrieben.
Ein weiterer aktueller Gegenstand wurde am 29. und 30. Mai in Stuttgart behandelt. Das Internationale Zentrum für Kultur- und Technikforschung der Universität Stuttgart hatte zum Thema "Medien und Kommunikationstechnologien in sozialen Netzwerken" geladen (Organisation: Jan Fuhse und Christian Stegbauer). Den 30 Teilnehmern ging es mit 11 Fachbeiträgen um die Beschreibung von sozialen Strukturen in und um Kommunikationstechnologien. Fuhse schlug vor, für Analysen in diesem Bereich Netzwerk- und Kulturbegriffe gleichermaßen zu verwenden. Dabei werden diese, in Anlehnung an die Relationale Soziologie von Harrison White, als untrennbar verwobene, nur analytisch unterschiedene Ebenen gesehen. Und diese sollten prinzipiell gemeinsam untersucht werden. Details zum Tagungsverlauf sind unter http://www.janfuhse.de/medientagung/index.html dokumentiert.
Als dritte Station im Jahr 2009 lädt die Technische Universität Hamburg-Harburg für den Herbst zum Thema „Netzwerke und Kommunikation: komplementäre Perspektiven?“ (Organisation: Miriam Barnat und Marco Schmidt).
Auch die Mittweida CommuniCy für Netzwerke und Komplexität betreibt ihre Aktivitäten in engem Kontakt mit der AG Netzwerkforschung. Im Mittelpunkt von Forschung und Lehre steht dort das im Superwahljahr 2009 besonders aktuelle Thema „Publikumsbildung“. Der praktisch und technisch orientierte interdisziplinäre Wissenschaftlerkreis versucht, die theoretischen und methodischen Ansätze der relationalen Sozialwissenschaft für konkrete Vorhaben der Publikumsforschung zu nutzen („White Applied“). Das Ziel sind Instrumente für die Analyse so unterschiedlicher Prozesse wie Fernsehnutzung, Wahlentscheidung und Verkehrsmittelwahl.
|