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Spurensuche

Recherchieren in Netzwerken

Koordinator: PD Dr. Lothar Krempel, MPIfG, Köln
Wissenschaftlicher Tutor: NN
Lehrgangssprache: Deutsch und Englisch
Zeit: Montag, 29. Juni bis Freitag, 10. Juli (insges 68Std)  (8527)


Es werden die Fragestellungen und Techniken der empirischen Analyse sozialer Netzwerke vorgestellt. An konkreten Beispielen lernen die Teilnehmer den Umgang mit Daten und Verfahren, die soziale Beziehungen erschließen. Die Anwendungen sind an den Interessen und Bedürfnissen der recherchierenden Publizistik orientiert. Sie erlernen hier den systematischen Umgang mit Datenquellen, aus denen sich Art und Umfang der Verbindungen von Politikern zu parlamentarischen Institutionen, zu politischen Themen, zu Interessenverbänden und deren Trägern erschließen lassen.
Als Software werden genutzt: Pajek, Automap, Issuecrawler, Network Visualizer.
Auftaktveranstaltung: Montag, 29. Juni, 11 bis 13 Uhr.

A-1 Erkennen. Erheben. Analysieren. Visualisieren. Einführung in die wissenschaftliche Netzwerkanalyse

PD Dr. Lothar Krempel, MPIfG Köln
Mo. 29.06. bis Fr. 10.07. vormittags, teilweise mit A-2 (20 Std.)

Viele Vorgänge in unserer Gesellschaft können erst dann verstanden werden wenn man Informationen darüber hat, wer mit wem interagiert, wie Teile unserer Gesellschaft zusammenhängen. Wo man über Informationen über die Verbundenheit von Akteuren verfügt, erlauben es heute Verfahren der Netzwerkanalyse, diese Zusammenhänge näher zu untersuchen.

Das Seminar führt in die Grundkonzepte der sozialen Netzwerkanalyse ein:
Was sind Relationen und Graphen? Was ist der Unterschied zwischen egozentrischen und sozialen Netzwerken ? Mit welchen Metriken lassen sich die  Umgebungen sozialer Akteure beschreiben (degrees, centralities)?

Wie identifiziert man in Netzwerken dichte Bereiche (cliques)? Welche Akteure nehmen in einem Netz gleichartige Stellungen ein (structural equivalence)?

Die Veranstaltung führt gleichzeitig in die Verwendung des Programms Pajek und in Arbeitsschritte der Netzwerkvisualisierung ein.


Literatur:

Scott, John (2000): Social Network Analysis. London,

de Nooy, Wouter, Andrej Mrvar and Vladimir Batagelj (2005):
Exploratory Social Network Analysis with Pajek 
Cambridge University Press

Krempel, Lothar (2005): Visualisierung komplexer Strukturen.
Grundlagen der Darstellung mehrdimensionaler Netzwerke.
Frankfurt: Campus.

Holzer, Boris (2006): Netzwerke. Bielefeld: transcript


A-2 Gezielt fragen: Finden und Bewerten von Beziehungen              

Haiko Lietz, MA, Bonn
Do. 02.07. bis Fr. 10.07. nachmittags, teilweise mit A-1 (12 Std.)

Als Journalist hat man verbriefte Auskunftsrechte. Mit den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und vieler Länder stehen einem darüber hinaus erheblich Möglichkeiten offen, an Originalakten und -daten der öffentlichen Hand zu kommen. Gerade wenn das Ziel lautet, Regelmäßigkeiten hinter Einzelfällen zu entdecken, ist eine computergestützte Recherche notwendig (Computer Assisted Reporting, CAR). In diesem Teilmodul wird CAR und speziell die Journalistische Netzwerkanalyse (JNA) von der Themenfindung über die Datenerhebung bis hin zur Auswertung und Aufbereitung vermittelt.

Zur Themenfindung wird ein Schema eingeführt, das es ermöglich, systematisch über Strukturen nachzudenken und Rechercheziele zu identifizieren. Hinsichtlich der Datenerhebung wird einerseits erlernt, wie man strukturierten Daten mit Excel Aussagen entlockt. Eine andere Methode der Datenerhebung ist es, unstrukturierte Daten zu ernten (Data Mining). Hierzu werden zwei Tools vorgestellt: Issuecrawler erhebt Strukturinformationen von Webseiten und ist geeignet, ausgesuchte Teile des Web 2.0 sichtbar und analysierbar zu machen; AutoMap extrahiert semantische Netzwerke aus beliebigen Textarten und -mengen.

Im Seminar werden die Teilnehmer Recherchen sowohl anhand vorgegebener Datensätze durchführen und nachvollziehen, als auch eigene Recherchen beginnen und durchführen. Bei den vorgegebenen Themen handelt es sich um virtuelle Parteilandschaften, die Aussagen über Parteiidentitäten und Wahlkampfstrategien ermöglichen, sowie um die Gesundheitsreform der Jahre 2005 bis 2007, die anhand von Nachrichtenagenturmaterial seziert wird und Aussagen über den öffentlichen Politikprozess ermöglicht. Schließlich wird diskutiert und erlernt, wonach und wie man in Netzwerken suchen kann und wie man Rechercheergebnisse ansprechend visualisiert und veröffentlichungsreif gestaltet.


Literatur

Sebastian Heiser, „Auskunftsrechte kennen und nutzen“, Reader zur taz Akademie, 24.05.2009, www.sebastian-heiser.de/download/taz/auskunftsrechte_0-8.pdf.

CAR-Recherche: Knüller aus der Datenbank“, Message Werkstatt, 3/2006, http://www.sportjournalismus.org/images/downloads/car_werkstatt_3_06.pdf.

Haiko Lietz, „Social Network Analysis im journalistischen Einsatz“, Vortrag auf der 1. CAR-Tagung an der Akademie für Publizistik, Hamburg, 19.05.06, http://www.haikolietz.de/docs/jna.pdf.

Haiko Lietz, „Social Network Analysis für Journalisten“, Vortrag auf der Jahreskonferenz von netzwerk recherche, Hamburg, 14.06.08, http://www.haikolietz.de/docs/jna2.pdf.


Haiko Lietz, „Mit neuen Methoden zu neuen Aussagen: Semantische Netzwerkanalyse am Beispiel der Europäischen Verfassung“, Working Paper, September 2007, http://www.haikolietz.de/docs/verfassung.pdf.


A-3 Transparenz herstellen: Zusammenhänge ausleuchten          

Heinz Pianka, DW Bonn
Di. 30.06. bis Fr. 03.07. nachmittags (12 Std.)

Transparenz herstellen und Zusammenhänge auszuleuchten gehört zu den wohlverstandenen Aufgaben und Herausforderungen des journalistischen Berufsbildes. Wie dies im journalistischen Alltag geschieht, soll im Verlauf des Modulteils A3 am Beispiel einer fiktiven Produktion einer aktuellen Hörfunk- und eines aktuellen TV-Magazins dargestellt werden. Die Teilnehmer werden dazu in einer Planungssitzung an Hand der aktuellen Nachrichtenlage die Themen nach Aktualität und Gewichtung auswählen und sodann Themeninhalte sowie Gründe und Hintergründe für die Auswahl der jeweils passenden Interviewpartner recherchieren. Dabei kommen sowohl traditionelle und bewährte Methoden der Recherche zum Einsatz wie auch Netzwerk-basierte Modelle.

Literaturhinweis:
Aus der Vielzahl der Darstellungen der journalistischen Arbeit wird hier nicht ein spezifisches Buch empfohlen; es ist jedoch hilfreich, wenn sich die Teilnehmer aus einem der Handbücher des Journalismus, vorab informieren. Zum Beispiel:

Ele Schöfthaler: Die Recherche, Reihe „Journalistische Praxis, Econ-Verlag 2006,


A-4 DieQuellen erschließen: Rund um Wähler und Gewählte                

Prof. Klaus Liepelt, Hochschule Mittweida
Di. 30.06. bis Di. 07.07. nachmittags (12 Std.)

Das Superwahljahr lenkt den Blick auf das Zustandekommen des Wählerpublikums. In Sachsen finden an drei Terminen Wahlen zu allen vier parlamentarischen Ebenen statt: Gemeinderat, Landtag, Bundestag, Europaparlament. Einige dieser Termine sind bundesweit, andere länderweit. Wir erwarten, dass dabei unterschiedliche Wählerinteressen und damit auch Variationen in den Beteiligungs- und Zuwendungsquoten zum Ausdruck kommen. Wir erwarten Differenzen zwischen Bundesländern und Gemeinden, sowie Rückkoppelungseffekte zwischen den Wahlterminen. Weniger präzise, aber nicht ganz anders als seismische Bewegungen verlaufen die Formierungsprozesse für jene einzigen „Vulkanausbrüche“, deren Termin vorab feststeht. In einer Übung, die sich auf kleinräumiges Datenmaterial der Wahlstatistik stützt, wird das Analysieren von Wahlen ereignisgerecht praktiziert.


Mit ähnlichen Umgangsformen nähern wir uns auch den Resultanten der Volkswahl, den Abgeordneten, die mit ihren Bemühungen um ein Parlamentsmandat erfolgreich waren. Vom Tag ihrer Wahl an stehen sie im Rampenlicht: Medien, Wählerpublikum, Kollegen, Interessenten begleiten ihre Schritte mehr oder weniger subjektiv. Wir lernen, mit geeigneter Computersoftware systematisch zu beobachten, was im Entscheidungsprozess tatsächlich abläuft. Wir analysieren Sachzwänge, Verkettungen und Freiheitsgrade.


Theoriegeleitete Suchstrategien, Analyseprogramme und Datenbestände der Mittweida CommuniCy aus Wahlstatistik und Abgeordetenmonitoring werden zusammengeführt. Von den Teilnehmern wird eine aktive Beschäftigung mit diesem Material erwartet. Die methodisch-technische Unterstützung der Teilnehmer durch erfahrene Hochschul-Mitarbeiter wir sichergestellt


Literatur:

Klaus Mainzer (2008), Komplexität. Fink-Verlag München


A-5 Zeitnah umsetzen. Relationale Politikberichterstattung

Jürgen Pfeffer, Wien
Mi. 08.07. bis Fr. 10.07, nachmittags (8 Std.)

Bündelung der Lernergebnisse des Moduls zu einer Perspektive für den Umgang mit Netzwerken unterschiedlicher Art und Größe. Vor allem zwei Fertigkeiten sind zu entwickeln: Erstens der Blick. Netzwerke müssen entdeckt und „gesehen“ werden. Zweitens der Umgang damit. Was man sieht, muss effizient präsentiert werden. Dazu gehört ein erfolgreiches Abarbeiten von Datentransformierung und Analyse. Es sollen Phantasien dazu angeregt werden, wo überall Netzwerke zu finden sind, die nur drauf warten, sich analysieren zu lassen. Und es soll die Fähigkeit vermittelt werden, Netzwerkanalyse als selbstverständliches Werkzeug anwenden, um dadurch auch anderen die Augen zu öffnen und für sich selbst Zusatzwissen zu erschließen. Dazu werden Verfahren und Werkzeuge (z.B. excel2pajek, txt2pajek) vorgestellt, mit denen sich öffentlich zugängliche und (meist) online verfügbaren Datenbestände erschließen und in eigene Netzwerke transformieren lassen.

Literatur und Quellen:

    Diverse Sammlung von Netzwerken:
http://www.visualcomplexity.com/vc/

    Valdis Krebs, Projects, Cases & Research:
http://www.orgnet.com/cases.html


A-6 Anwendertag: „Sezierbesteck“. Präsentation in Berlin

Freitag, 10. Juli in Berlin, ganztags ab 11 Uhr