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Geschrieben von: Jana Hoehnisch   

Kommunikation in kleinen Welten

Medienwissenschaftliches Symposion
Mittwoch, 11. November 2009, 11 bis 16 Uhr


Medienwissenschaftliches Symposion Kommunikation in kleinen Welten Mit Ingenieurskunst und exakten Wissenschaften blickt die Hochschule Mittweida auf eine über 140 Jahre alte Tradition zurück. Viel jünger sind die Humanwissenschaften, die sich seit zwanzig Jahren, von dem sie umgebenden technischen Biotop geprägt, zu einer interdisziplinär orientierten Ausbildungs- und Forschungsstätte entwickelt haben. Mittweidas Medienwerkstatt ist heute für Wissenschaft und Praxis ein Magnet über Länder- und Landesgrenzen hinweg. Die Innovationen in Medienausbildung und Kommunikationsforschung stützen sich auf mehrere Entwicklungsvorhaben, die von Forschergruppen mit divergierendem Erfahrungswissen getragen worden sind. Die empirischen Fragen waren dabei meist auf Besonderheiten im Freistaat Sachsen fokussiert. Über die Lehre wurden diese dann in einen globalen Zusammenhang gestellt und theoretisch eingebettet. Eine mit der Kommunikationsforschung vertraute neue Studentengeneration bereitet sich nun auf Laufbahnen in Informations- und Medienwirtschaft vor, wo relationale Verfahren gefragt sind, mit denen sich in einem komplexen Kommunikationsgefüge kritische Bruchstellen frühzeitig erkennen lassen. Im Symposion werden Forschungen vorgestellt und auf Zukunftsgehalt überprüft, die in Sachsens kleinräumiger Medienlandschaft entstanden sind und die nun die digitale Revolution auf den kleinen Kommunikationsmärkten begleiten.

Präsentation und Diskussion

Tatort 1.0: Publikumsforschung

Aktuelle Verfahren, Befunde, Anwendungen

Mittwoch, 11. 11., 11 bis 13 Uhr, Raum 1-019C
Moderation: Markus Schubert, MA, Leipzig


Publikum: Mehr als die Summe seiner Teile
Rückblick auf fünf Jahre Publikumsforschung
Prof. Klaus Liepelt, Mittweida

Publikumsbildung: Nur ganz selten linear

Selbstähnlich bei Medien, Wahlen, Nahverkehr
Raimar Polach, MA, Mittweida

Publikumsbausteine: Kleine Netze vor Ort
Im Bedarfsfall werden Kontakte zu Kanälen
Dr. Lothar Krempel, MPIfG Köln

Publikumswandel: 2.0 macht Druck

Kommt die Zeitung dem Leser entgegen?
Dipl.-Inf. Undine Schmalfuß, Mittweida

Publikumsreichweiten: Akzeptanzregeln
Anforderungskriterien für Forschung vor Ort
Hans Georg Stolz, AG.MA Mainz

Publikumsforscher: Anstoß von außen
Mit lokalen Paradigmen lange auf Kriegsfuß?
Markus Schubert, MA, Kontur 21 Leipzig

Expertenpanel bringt Local 2.0 ins Gespräch

Tatort 2.0: Publikumsbildung

Mal sehen, was in der kleinen Welt passiert.

Mittwoch, 11. 11., 14 bis 16 Uhr, Raum 5-109A
Moderation: Prof. Dr. Ludwig Hilmer, Mittweida

Nahwelt-Netze brauchen Legenden
Eine Digitalisierungsfolge: Das Projekt Local 2.0
Prof. Klaus Liepelt, Mittweida

Local 2.0: Getragen von den eigenen Stories
Programmplanung mit neuen Akteuren?
Dr. Lothar Krempel, MPIfG Köln

Platzwechsel von Sender und Empfänger
Wie ein Techniker Komplexität steuerbar macht
Prof. Dr.-Ing. Christian Schulz, Mittweida

Ortsnah funken, von oben wie von unten

Eine neue Perspektive für die kleinen Märkte?
Andreas Richter, SLM Leipzig

Nahweltkommunikation muss sich rechnen
Die kleinen TV-Märkte und das Web 2.0
Mike Bielagk, ARIS Grünberg-Beierfeld

Wenn große Spieler auf kleine Welten stoßen
Was den Protagonisten von Web 2.0 bevorsteht
Hans Georg Stolz, AG.MA Mainz

Im Visier: Die Ortsnahen Medien

Entgegen mancher Erwartung haben sich die ortsnahen elektronischen Medien als ostdeutsche Besonderheit auf ihren kleinen Märkten behaupten können, vor allem gegenüber Zeitungen und Anzeigenblättern. Aber auch aus dem Schatten des überregionalen Fernsehens konnten sie heraustreten. Entscheidend dafür waren ihre durch ein lokales Informationsmonopol definierten Marktnischen, und die Konzentration auf eine stets zugängliche Programmschleife Angesichts der sich wandelnden Kommunikations-Plattformen dürften die Lokalsender ihre Nischen besser ausfüllen können, wenn sie künftig weniger darauf angewiesen sind, die für die Medienwelt typischen Verbreitungswege von oben nach unten zu „emulieren“. Über hautnahe Berührungsfelder, die das traditionelle Publikum der ortsnahen Medien in dichte Kontaktnetze vornehmlich der älteren Generation einbinden, könnte mit den sich herausbildenden mehr partizipativen Kommunikationsformen auch in den nachwachsenden Jahrgängen ein neues Nahwelt-Publikum erschließbar werden. Das Symposium diskutiert über Gegenwart und Zukunft der ortsnahen Kommunikation.

Mittweida CommuniCy: Relationale Realität

In Mittweida wird in Theorie und Praxis der Kommunikationsforschung Umgang auch mit komplexen Strukturen gepflegt. Um zu verstehen, wie soziale Formationen sich bilden und auflösen, betrachtet man nicht nur Normalbilder, sondern das ungewöhnliche Ereignis. Störfälle helfen, ein System empirisch zu definieren, es abzugrenzen und seine Triebkräfte zu beschreiben. Dessen Wirkungsradius ist nicht durch Klassen, Massen, Räume geprägt. Seine Märkte präsentieren sich als flottierende Netze, Rollen mit rauen Strukturen. Diese kommen und gehen mit ihren Anbietern und deren Vermögen zur Bindung von Publikum. Die Ermittlungen sind empirisch: das Instrumentarium sensiert Gegebenheiten und sucht nach Brüchen in der sozialen Tektonik. Um die uns umgebenden, zuweilen bizarren sozialen Formationen zu verstehen, helfen Gleichgewichtsmodelle
nicht; denn „soziale Stammzellen“ passen sich ständig wechselnden Bedingungen an. Daher observieren wir auch auf Publikumsmärkten das Wirken von einander ähnlichen „sozialen Teilchenbeschleunigern“. Wir erforschen nicht soziale Gesetze. Wir applizieren relationale Verfahren. Interdisziplinär.