Das Selbstverständnis der Deutschen Welle
Die Deutsche Welle (DW) wurde 1953 als Auslandsrundfunkanstalt der Bundesrepublik Deutschland gegründet. Sie ist eine gemeinnützige Anstalt des öffentlichen Rechts und seit 1962 Mitglied der ARD. Finanziert wird die DW durch Steuergelder. Die DW hat ihren Sitz in Bonn und in Berlin; sie beschäftigt rund 1.400 Mitarbeiter.
Die Rechtsgrundlage für den deutschen Auslandsrundfunk bildet das Deutsche-Welle-Gesetz (DWG) vom 16.12.1997 in der Fassung vom 15.12.2004. Demnach lautet der Auftrag der DW „für das Ausland Rundfunk (Hörfunk und Fernsehen) und Telemedien“ anzubieten. Die Programme der DW sollen ein realistisches Bild von Deutschland und Europa vermitteln und den Demokratisierungsprozess auf medialer Ebene unterstützen. Im DWG heißt es in diesem Zusammenhang:
„Die Angebote der Deutschen Welle sollen Deutschland als europäisch gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfaßten demokratischen Rechtsstaat verständlich machen. Sie sollen deutschen und anderen Sichtweisen zu wesentlichen Themen vor allem der Politik, Kultur und Wirtschaft sowohl in Europa wie in anderen Kontinenten ein Forum geben mit dem Ziel, das Verständnis und den Austausch der Kulturen und Völker zu fördern.“
Das Angebot der DW umfasst die Programme von DW-Radio und DW-TV sowie das umfangreiche Online-Angebot von Dw-world.de in Deutsch und 29 weiteren Sprachen. Die Arbeit der DW, als „Kulturträger“ und „mediale Visitenkarte Deutschlands in der Welt“ , basiert auf Werten wie der journalistischen Unabhängigkeit, Qualität, Zuverlässigkeit, Innovation und Glaubwürdigkeit. Die DW repräsentiert Deutschland weltweit und versucht den Dialog zu anderen Kulturen herzustellen.
Zum Selbstverständnis der DW gehört es, freiheitlich demokratische Werte zu vermitteln und Frieden stiftende Prozesse zu unterstützen. In diesem Zusammenhang spielt besonders die umfassende objektive Information der Menschen in Krisen- und Kriegsgebieten eine große Rolle, wie beispielsweise in Afghanistan und im Kosovo. Die DW-Akademie, neben den Programmen eine weitere Säule der DW, unterstützt den Aufbau von Mediensystemen in diesen Regionen, indem sie Trainings für Journalisten anbietet.
Als Hauptzielgruppe definiert die DW allgemein „Multiplikatoren, Entscheidungsträger und Informationssuchende“ aus aller Welt, d.h. die Eliten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft. Weiterhin richtet sich das Programmangebot der DW nach dem Motto: „Deutsche Welle als Stimme der Freiheit“ an Menschen ohne freien Medienzugang. Die dritte Zielgruppe der DW ist die Gruppe der Deutschen im Ausland.
Der Auftrag des Auslandsrundfunks
Ein Gutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung unterscheidet sechs verschiedene Funktionen des Auslandsrundfunks. Er kann je nach Zielsetzung die Rolle des Global Players, des Repräsentanten, des Missionars, des Kompensations-, des Krisen und/oder des Heimatrundfunks einnehmen. Der Auslandsrundfunk als Global Player zeichnet sich durch universelle Erreichbarkeit, Verlässlichkeit und Qualität aus. Er repräsentiert das Land auf globaler Ebene, beispielsweise als Wirtschaftsstandort oder Kulturgemeinschaft. Zudem verfolgt Auslandsrundfunk das Ziel, bestimmte gesellschaftliche und politische Konzepte zu verbreiten. Auslandsrundfunk soll weiterhin Informationsdefizite in strukturell oder politisch eingeschränkten Gebieten beseitigen (Kompensationsrundfunk) bzw. kurzfristig gezielte Angebote für die Bevölkerung in Kriegsgebieten liefern (Krisenrundfunk). Zusätzlich richtet sich der Auslandsrundfunk mit Informationen aus der Heimat an Auswanderer. Die DW sieht sich zum einen als Global Player und Repräsentant; zum anderen bilden der Kompensations- und Krisenrundfunk und auch der Heimatrundfunk einen weiteren Schwerpunkt. Die DW setzt sich für demokratische Werte und Menschenrechte ein, verfolgt jedoch keinen missionarischen Auftrag.
Dr. Peter Niepalla, Leiter des Justiziariats der DW, fasst zusammen: „dass der Auslandsrundfunk sich dadurch kennzeichnet, dass sein Programmauftrag auf das Ausland gerichtet ist.“ Im Gegensatz zum nationalen Rundfunk, stehen beim Auslandsrundfunk die inhaltliche Aufbereitung der Informationen und die Wertevermittlung durch die Programme im Mittelpunkt. Einerseits müssen die Informationen über Deutschland und Europa so aufbereitet werden, dass sie für „Außenstehende“ begreiflich sind. Andererseits beinhaltet der Programmauftrag die Vermittlung freiheitlich-demokratischer Werte, wie z.B. die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Neben den Informationen über Deutschland und Europa, spielt besonders in Krisen- und Kriegsgebieten die Berichterstattung über regionale Ereignisse in den Zielregionen eine große Rolle: „Das Bedürfnis der Hörer und Zuschauer nach Informationen über ihre Region durch ausländische Medien manifestiert sich umso stärker, je schwieriger der Zugang zu objektiver Information im eigenen Land ist.“
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Aktivitäten der DW als deutscher Auslandsrundfunk speziell an den Beispielen Afghanistan und Kosovo zu untersuchen. Den Schwerpunkt bildet dabei die Analyse der Wettbewerbssituation und des Kooperationsnetzwerkes der DW.
Das Forschungsdesign
Die Regeneration der Daten erfolgt mit Hilfe von internen Publikationen, Studien und Archiven der DW. Die Abteilung Markt- und Medienforschung erhebt regelmäßig Informationen über die Medienlandschaft, die technische Ausstattung der Haushalte, die Verbreitung von Auslandsrundfunk und die Rezeption des Angebotes der DW. Die Ergebnisse sind in den so genannten Key Findings und Fact Books zu finden. Zusätzlich dienen 30-minütige Experteninterviews der Erhebung qualitativer Informationen, welche die konkrete Datenbasis der Analyse bilden. Das Ziel der Befragung ist es, Informationen aus erster Hand über die Kooperationspartner und Mitbewerber der DW zu sammeln. Die halbstandardisierten Interviews orientieren sich an einem Fragekatalog, der als Gesprächleitfaden dient. Es besteht die Möglichkeit, die vorher definierten Fragen offen zu beantworten. Die interviewten Personen können frei berichten und erklären. Befragt werden Experten der DW aus den Fachredaktionen für Afghanistan und den Kosovo sowie den Bereichen Markt- und Medienforschung und Distribution.
Anschließend erfolgt die Auswertung und Interpretation der Daten mit Hilfe der Sozialen Netzwerkanalyse. Auf der Basis graphentheoretischer und statistischer Methoden untersucht die interdisziplinäre Netzwerkforschung Verbindungsstrukturen unterschiedlichster Art. Die Visualisierung der Aktionsnetzwerke der DW geschieht abschließend mit Analysetools, wie UCINet und Pajek.